Ich begann zu malen aus Dringlichkeit und Notwendigkeit — dann erweiterte ich meinen Ansatz zu einer breiteren Suche nach der Wirklichkeit, beginnend mit meiner eigenen Erinnerung und hin zu einer kollektiven Dimension. Autodidakt, doch verwurzelt in einer reichen kulturellen Tradition — von Caravaggio bis Joy Division, von Manet bis Coppola, mit Umwegen über Bacon, J.P. Witkin, Twombly — entlehne ich dem Geist der Zeit: Kindheitserinnerungen (Fotos, Gegenstände, Worte), Zeitungsfragmente, berühmte Persönlichkeiten, Songtexte. Diese tauchen wiederholt in meiner Arbeit auf — nicht als Illustration, sondern als Rohmaterial, das zu Formen wird und weitere Formen generiert.
Auf Großformaten entstehen Bilder intuitiv, fast automatisch. Ich strebe an, „die Hand schneller als das Gehirn arbeiten zu lassen“. Motive stoßen perkussiv aufeinander — oft eine Form und ein Wort, eine Figur und ein Ausdruck — und Ambiguität herrscht vor. Formen sind absichtlich ungenau, unvollkommen; Verknüpfungen bleiben offen, um meine Wahrnehmung der Welt widerzuspiegeln: fließend, chaotisch, undurchdringlich.
Linie, Strich und Zeichnung stehen im Zentrum meines Werks. Acrylfarben, Tuschen und Bleistifte werden ohne demonstrativen Anspruch eingesetzt. Farbliche Beziehungen sind sorgfältig durchdacht: ein subtil bearbeiteter Hintergrund, gegen den Schwarz, Rot oder Weiß durch direkten Kontrast „daran reiben“ oder „sich darin auflösen“.
Jedes Gemälde präsentiert eine flächige, ebene Oberfläche — Tiefe wird vermieden, doch Raum ist vorhanden. Ich erforsche die Grenzen der Entstellung, an der Schwelle zur Unwirklichkeit. Das malerische und poetische Gleichgewicht, die Kraft, die jedes Werk innehat oder ausstrahlt, steht im Mittelpunkt. Verflochtene Linien, kaum angedeutete organische, pflanzliche oder menschliche Formen auf der Papieroberfläche erlauben mir, ständig nach der Unsicherheit des Seins, der Welt, der Darstellung zu fragen — und das Erscheinen von „Präsenzen“, die durch die Malerei offenbart werden.
Philippe Croq